Unverpackter Leben – Tipps und Tricks

Mit kleinen Schritten zur umweltbewussten Gesellschaft

Auf einem dunkel grünem Hintergrund steht mit einem helleren grün: "Jeder kleine Schritt zählt, damit der Müllberg nicht weiter wächst!"
Grafik: wirBERLIN
Aus einem Stoffbeutel schauen folgende Dinger hervor: Glasflasche, Holzbesteck, Mehrwegnetz, Strohhalm und eine Glasbehälter.
Bild: Photoguns / Adobe Stock

Unverpackt und bewusst konsumieren

Von heute auf morgen komplett müllfrei leben? Das wird wohl kaum jemandem von uns gelingen. Die gute Nachricht an dieser Stelle ist: Das muss es auch nicht, denn jede kleine Tat zählt! Wir zeigen euch Ideen und Konzepte, mit denen jede*r von uns ein kleines Puzzleteil zur großen Vision einer unverpackten Gesellschaft beitragen kann.

Bring your own boxes – Das Prinzip der Unverpackt-Läden

Es gibt Lebensmittel, die komplett ohne Verpackung auskommen, dazu zählen viele Obst- und Gemüsesorten. Bei unserem täglichen Einkauf im Supermarkt können wir darauf achten, diese Lebensmittel möglichst unverpackt zu kaufen. Was ist aber mit Lebensmitteln, die nicht ohne Verpackung verkauft und transportiert werden können? Unverpackt-Läden bieten hierfür eine tolle Lösung.

  • Einkaufen im unverpackt-Laden, so funktioniert’s: In den meisten Läden könnt ihr selbst mitgebrachte Behälter benutzen. Vor dem Einkauf werden diese gewogen und im Anschluss können die Lebensmittel selbst abgefüllt werden. Alternativ bieten viele Läden auch Gefäße zum Verkauf an, die im Anschluss immer wieder verwendet werden können. 
  • Der erste unverpackt-Laden in Berlin wurde im Jahr 2014 eröffnet. Mittlerweile gibt es in der Hauptstadt 10 Läden, in denen ihr mit gutem Gewissen unverpackt einkaufen könnt. 
  • Deutschlandweit gibt es bereits über 80 unverpackt-Läden. Schaut doch mal hier vorbei, bestimmt gibt es auch einen Store in eurer Nähe! 
Auf dem Bild sind 5 Behälter in einem Unverpackt-Laden aufgereiht, welche verschiedene Nahrungsmittel beinhaltet.
Bild: Reichdernatur / Adobe Stock
Auf einem weißen Tisch liegen verschiedene Zutaten (Kokosöl, Duftöle, Sheabutter), um Kosmetik selber herzustellen.
Bild: Maramorosz / Adobe Stock

Do it yourself: Gesünder leben und Verpackung sparen!

Parabene, Duftstoffe, Tenside, Aluminium. Viele Kosmetikprodukte haben eine lange Zutatenliste. Leider sind einige Stoffe gesundheitsschädlich und lösen bei manchen Menschen zum Beispiel Allergien aus. Außerdem ist der viele Verpackungsmüll wenig hilfreich auf dem Weg zu einem unverpackten Leben. Eine Alternative, die Spaß macht, lautet: Do it yourself! 

  • Von B wie Blumentopf bis W wie Waschmittel: Mit wenigen Zutaten lassen sich viele Alltagsprodukte ganz leicht selbst herstellen. Hier haben wir für euch über 60 Ideen zusammengestellt. Probiert doch pro Monat mal ein Rezept eurer Wahl aus! Da gemeinsam alles mehr Spaß macht und die Zutaten pro Portion häufig günstiger werden, ladet doch eure Lieblingsnachbarn zu einem Do-it-yourself-Workshop ein! 
  • „Ist das schon Müll oder kann das noch Kunst?” Der Berliner Verein KunstStoffe setzt sich dafür ein, dass Abfällen auf kreative Weise neues Leben geschenkt wird. Auf Materialmärkten kann man für die eigenen Ideen und Projekte zum Beispiel Holzabfälle, Pappe, Farben und auch Verpackungsmaterial kaufen. Außerdem werden Workshops angeboten, in denen man gemeinsam kreativ werden kann. 
  • Weitere spannende Do it yourself-Tipps aus Berlin findet ihr hier. 

Darf’s ein bisschen Mehrweg sein?

Seit Juli 2021 ist die Produktion von Einwegplastikprodukten in der EU verboten. Das bedeutet, dass zum Beispiel Trinkhalme, Einwegbesteck und -geschirr aus Plastik sowie To-go-Becher aus Styropor zwar noch aufgebraucht, jedoch nicht mehr neu produziert und in den Handel gebracht werden dürfen. Auf dem Weg zu einer unverpackten Gesellschaft ist dies ein Erfolg. Aber was bedeutet das für Freunde des Außer-Haus-Essens? Keine Sorge, auf den Lunch-to-go müssen wir nicht verzichten, denn es gibt bereits tolle Mehrwegkonzepte, von denen wir euch einige vorstellen möchten. 

Neben der Getränkeflasche gibt es heute viele weitere Ideen und Konzepte, die uns Wege aus einem Leben mit Verpackungsmüll aufzeigen. Sowohl für Heißgetränke als auch für Takeaway-Essen gibt es mittlerweile einige Anbieter, die nachhaltige Lösungen bieten. 

  • Das Mehrwegprinzip des Außer-Haus-Essens ist schnell erklärt: Bei teilnehmenden Restaurants bezahlt ihr eine Pfandgebühr für den Behälter, in dem ihr euer Essen mit nach Hause nehmt. Innerhalb einer bestimmten Frist bringt ihr den Behälter zurück zum Restaurant oder einem anderen Partner des Anbieters. Ihr erhaltet den Pfandbetrag zurück oder zahlt ihn erst, wenn ihr die Frist für die Rückgabe überschritten habt. In letzterem Fall gehört der Behälter im Anschluss euch und ihr könnt ihn für viele leckere Takeaways und schöne Picknicks im Park verwenden. 
  • Die Initiative Better World Cup hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Berliner*innen von der Nutzung von Mehrwegbechern zu überzeugen. Denn der tägliche Verbrauch von schätzungsweise 460.000 Einwegbechern allein in Berlin bedeuten einen hohen Ressourcenverbrauch, außerdem landen viele Becher in der Umwelt. Bei bereits über 1.000 Partnern könnt ihr an dem umweltfreundlichen Pfandsystem teilnehmen.  
  • Die Kampagne „Mehrweg statt Einweg” möchte mit dem Prinzip des Mehrwegs den Verpackungsmüll des Außer-Haus-Verkaufs in Berlin-Mitte reduzieren. Nicht nur Berliner*innen werden hier nach tollen Konzepten und Vorschlägen fündig, wie wir uns gemeinsam vom Verpackungsmüll befreien können. Schaut vorbei und lasst euch inspirieren von kreativen Umsetzungen und zahlreichen Anbietern der Mehrweg-Idee! 
In zwei verschiedenen Mehrwegbehälter sieht man das Mittagessen (Gemüse, Reis) und den Snack (Obst, Nüsse) abgebildet.
Bild: Tatiana Atamaniuk / Adobe Stock
Es wurde der Kreislauf einer Glas-Mehrwegflasche dargestellt.
Bild: Deutsche Umwelthilfe e.V.

Der Kreislauf der Mehrwegflasche

Mehrweg ist das seit Jahrhunderten bewährte System für Getränke. Es funktioniert ganz simpel: Getränke werden in eine Flasche abgefüllt, transportiert, eingeschenkt und getrunken. Dann wird die Flasche wieder zum Händler zurückgebracht, gereinigt und es geht wieder von vorne los.” (Arbeitskreis Mehrweg GbR)  

Labels als Helfer für ein unverpackteres Leben

Die Umstellung unserer Lebensgewohnheiten zugunsten einer unverpackten Gesellschaft und somit einer nachhaltigen Entwicklung kann uns viel abverlangen. Oft sind wir beim Kauf von Produkten verunsichert und überfordert: Woher stammt ein Produkt und woraus besteht es? Unter welchen Arbeitsbedingungen wurde es hergestellt? Worauf sollte ich beim Kauf achten? Es gibt Labels, die uns beim Einstieg in den bewussten Konsum und sogar in ein unverpackteres Leben helfen können.  

  • Einmal Ohne, Bitte! Es wird Zeit, die Küchenschränke zu durchforsten und den eingestaubten Tupperdosen zu neuem Glanz zu verhelfen. Deutschlandweit tragen bereits mehr als 1.500 Geschäfte das „Einmal Ohne, Bitte!”-Label. Ziel des Labels ist die Vermeidung von Verpackungsmüll bei Einkauf und Take-Away. In Geschäften und Lokalen, die mit dem Label versehen sind, könnt ihr verpackungsfrei bzw. mit eigenen Behältnissen einkaufen. 16 Tonnen Verpackungsmüll konnten so bereits eingespart werden. 
  • Wenn wir nicht nur auf die Reduzierung von Verpackungsmüll achten, sondern auch die Inhaltsstoffe von Produkten genauer in den Blick nehmen möchten, gibt es ebenfalls Siegel, auf die wir achten können. Hier fiindet ihr eine Übersicht über Siegel, die uns dabei helfen, auf den Kauf von Mikroplastik in Drogerieprodukten zu verzichten. 
Auf einem Holztisch liegt ein unbeschirmtes Label aus Papier.
Bild: Monropic / Adobe Stock
Auf einer kleinen Schiefertafel steht "Fairtrade". Darum herum liegen Bananen, Kaffeebohnen, Schokolade und Gewürze.
Bild: Visions-AD / Adobe Stock

Mehr als unverpackt – Nachhaltig in allen Lebensbereichen

Ob Schokolade, Kleidung oder Smartphone – Allgemein können wir beim Einkauf darauf achten, ob Lebensmittel oder Produkte unter umweltfreundlichen und fairen Bedingungen erzeugt oder hergestellt wurden. Da es für die wichtigsten Konsumbereiche mittlerweile eine Vielzahl an Siegeln gibt, ist es gar nicht so leicht, sich in dem Label-Dschungel zurechtzufinden. 

  • Auf der Suche nach nachhaltiger Kleidung gibt FEMNET e.V. eine hilfreiche Übersicht über alle fairen und ökologischen Siegel in der Kleidungsindustrie. 
  • Die Klimawiese gibt für den Lebensmittel-Einkauf einen Überblick über die wichtigsten Bio- und Fairtrade-Siegel.  
  • Fairphone und Shift sind gute Adressen für ein nachhaltiges Smartphone.  
  • GreenPanda bietet gebrauchte und neu aufbereitete Produkte, wenn ihr ein elektronisches Gerät anschaffen wollt. 

Tauschen, Secondhand und Co – Nutzt das, was ihr schon habt!

Wusstet ihr, dass für die Herstellung einer neuen Jeans rund 8.000 Liter Wasser benötigt werden? Egal ob Kleidungsstück, Haushaltsgerät oder Smartphone – Wenn wir uns etwas anschaffen, was neu produziert wurde, dann wurden dafür in der Regel ganz schön viele Ressourcen verbraucht. Wenn wir also das, was wir schon besitzen, möglichst lang nutzen, sparen wir nicht nur Verpackung, sondern schützen auch unsere Lebensgrundlagen.

Sind wir mal ehrlich: Die meisten von uns benutzen eine Bohrmaschine eher selten. Es bietet sich also an, gewisse Dinge mit anderen Menschen zu teilen.

  • Auf der Plattform Berlin.cosum könnt ihr euch an anmelden und Gegenstände leihen oder verschenken. Zudem gibt es in Berlin viele Umsonstläden oder Vereine, wo nicht nur Gegenstände, sondern auch Fähigkeiten getauscht werden können. Ein solcher Verein ist z.B. der Kreuzberger Tauschring.
  • Eine Übersicht über die Umsonstläden in Berlin bietet tipBerlin. 
  • Eine Alternative zum Kauf von neuen Sachen ist Secondhand. Berliner*innen auf der Suche nach gebrauchten Möbeln, Elektrogeräten, Haushaltswaren, Kleidungsstücken und vielem mehr sollten in der NochMall vorbeischauen, dem ersten Kaufhaus für Gebrauchtwaren in Berlin.
  • Nicht selten findet man auch auf dem guten alten Flohmarkt tolle Schätze. Riskiert auch mal einen Besuch auf einem von unzähligen Berliner Hofflohmärkten. 
Vier Frauen sind in einem Raum und es stehen Kleidung und Schmuck um diese herum. Auf einem Schild steht "Swap not shop"
Bild: ArtSys / Adobe Stock
Eine Frau repariert gerade den Fahrrad in einer Werkstatt auf dem Tisch.
Bild: Dusanpetkovic1 / Adobe Stock

Reparieren geht über Studieren!

Die Lieblingsjeans hat ein Loch, der Akku vom Smartphone müsste mal ausgetauscht werden oder ihr seid euch sicher, dass die kaputte Kaffeemaschine einfach nur einen Wackelkontakt hat? Viele Dinge, von denen wir denken, dass sie kaputt sind, können wir mit ein wenig Unterstützung selbst reparieren.  

  • Bundesweit gibt es zahlreiche Repair Cafés, in denen echte Repair-Profis dabei helfen, Elektrogeräte und Co wieder auf Vordermann zu bringen.  
  • Ob Leihen, Tauschen, Reparieren, Spenden oder Second Hand: Die Initiative Remap Berlin vereint die Ideen des nachhaltigen Konsums und bietet umweltfreundliche Alternativen zu Neukauf und Wegwerfen.
  • Die Pyramide des nachhaltigen Konsums hilft euch ebenfalls dabei, die Ideen umzusetzen. 

Gemeinsam unverpackt

Wie für jedes große Ziel gilt auch für die Vision einer unverpackten Gesellschaft: Als Gemeinschaft kommen wir schneller voran. Ob Klein oder Groß, ob in der Stadt oder auf dem Land: Auf dem Weg in eine unverpackte Zukunft ist das Engagement von uns allen gefragt! 

  • Tatjana gibt Tipps für einen müllfreien Einkauf, Birkan transportiert sein Essen für die Schule in superstylischen und nachhaltigen Behältern und Lena achtet beim Kauf neuer Kleidung auf möglichst wenig Müll. Unsere jungen Umweltschützer*innen haben schon einige Tricks für eine unverpackte Gesellschaft auf Lager! 
  • Ihr wollt euch ganz praktisch für ein sauberes und lebenswertes Berlin einsetzen? Dann beteiligt euch an unserem jährlichen Aktionstag, an dem ganz Berlin zu gemeinsamen Putz- und Verschönerungsaktionen aufruft! Über unsere Initiative ALLES IM FLUSS könnt ihr euch über weitere Events und Aktionen auf dem Laufenden halten. 
  • Wie sieht die Zero Waste Wirtschaft in Berlin im Jahr 2030 aus? Was würdet ihr euch wünschen? Was sind eure Sorgen? Im Rahmen des Müllmanifests sind alle Berliner Bürger*innen dazu aufgerufen, aktiv ihre Ideen, Wünsche und Anregungen zur Umsetzung der Berliner Zero Waste-Strategie zu teilen. 
  • Wer über den unverpackten Einkauf im Supermarkt hinaus gehen will, kann sich Obst und Gemüse einfach selbst anbauen. Das geht auch ohne eigenen Garten! Das Netzwerk Urbane Gärten Berlin bietet eine Übersicht über alle urbanen Gärten, bei denen ihr euch beteiligen und im Bereich Selbstversorgung aktiv werden könnt. Die Möglichkeit, Verantwortung für ein kleines Stück Acker zu übernehmen, bietet das Projekt 2000 m². 
Zehn Menschen stehen mit dem Rücken zur Kamera und bilden eine Kette. Sie halten sich dabei in den Armen.
Bild: Juripozzi / Adobe Stock

Spannende unverpackt-Events

Der Thementag wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit Wissenschaftler*innen organisiert. An interaktiven Ausstellungsständen und im Rahmen von Mitmachaktionen wie Poetry Slams, Improtheater und Workshops könnt ihr euch umfangreich über das Thema Plastik informieren und gemeinsam an Ideen für eine Zukunft ohne Abfall tüfteln. Alle Infos zum Event findet ihr unter www.thementag-plastik.de 

Als erste internationale Veranstaltung für Zero Waste, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit findet das Zero WasteBerlin Festival in diesem Jahr bereits zum dritten Mal statt. Menschen mit der Vision von einer abfallfreien Zukunft wird hier eine Plattform für den Austausch von Ideen geboten. Alle Infos zum Event findet ihr hier 

Wer sich für das Thema Nachhaltigkeit interessiert, ist auf der Green World Tour richtig aufgehoben. Hier gibt es über 60 Vorträge und 1.000 Angebote zu Themen wie nachhaltiger Mobilität, grünen Karrieremöglichkeiten und Innovationen aus der Kreislaufwirtschaft. Wann das Team von Autarkia mit der Green World Tour seine Zelte in eurer Nähe aufschlagt, erfahrt ihr hier.  

Ihr möchtet euch mit dem Zero Waste-Lifestyle vertraut machen und benötigt dabei Unterstützung? Hier könnt ihr nach spannenden Zero Waste-Workshops Ausschau halten, die in eurer Nähe oder digital stattfinden. 

Unverpackter Leben

Welche Müllprobleme es auf der Welt gibt und wie eine unverpackte Gesellschaft zu einer nachhaltigeren Welt beitragen kann, erfährst du auf Unverpackter Leben.

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