Unverpackter Leben

Gemeinsam für eine müllfreie Zukunft

Die Illustration zeigt wie zwei Menschen in einem Berliner Park sitzen. Dabei hat der Mann einen nachhaltigen To-Go-Becher in der Hand und die Frau repariert ein Kleidungsstück.
Illustration: Dorka Strong
Eine Person fühlt Nudeln in eine Papiertüte auf der steht "No plastic is fantastic"
Bild: Nito / Adobe Stock

Die Vision einer unverpackten Gesellschaft

Wenn wir dafür sorgen, dass unser Müll in der richtigen Tonne landet, leisten wir schon einen guten Beitrag für ein sauberes und lebenswertes Umfeld für uns und andere. Doch auch richtig entsorgter Müll kann nicht immer recycelt werden, landet in der Umwelt und schadet uns und unserer Gesundheit. Wäre es nicht also besser, wenn wir uns dafür einsetzen, dass Müll gar nicht erst entsteht? Wir möchten die Entwicklung von einer verpackten hin zu einer unverpackten Gesellschaft fördern. Wir alle können für dieses große Ziel kleine aber wichtige Beiträge leisten. Wir zeigen euch, was es mit der Idee eines unverpackten Lebens auf sich hat und wie wir mit kleinen Tricks ganz leicht unverpackter leben können!

Für die Befreiung vom Verpackungsmüll

Mehrwegbehälter

Mit Mehrweglösungen beim Außer-Haus-Essen können in Deutschland jährlich mehr als 300.000 Tonnen Verpackungsmüll gespart werden.  

Stoffbeutel

Durch die Nutzung von Stoff- und Netzbeuteln für Obst, Gemüse und Backwaren können allein in Berlin pro Jahr mehr als 133 Millionen Plastiktüten gespart werden. 

Leitungswasser

Wenn wir auf Wasser aus Plastikflaschen verzichten, spart jede*r von uns pro Jahr bis zu 38 Kilogramm Plastik. 

Unverpackt Einkauf

Im Vergleich zu anderen Supermärkten reduziert sich der Verpackungsmüll in Unverpackt-Läden um 84 Prozent. 

To-Go Becher

Wenn wir auf Einwegbecher verzichten, sparen wir jährlich allein in Berlin bis zu 1,87 Millionen Kilogramm Müll. 

Wieso unverpackt leben?

In einem Wald liegt ein großer Haufen mit ganz verschiedet Müll (Holzreste, Dosen,Plastikflaschen, Plastiktüten).

Anti-Littering-Maßnahmen helfen dabei, dass entstandener Müll nicht in die Umwelt gelangt. Doch egal, wie viel Mühe wir uns geben, unsere Abfälle richtig zu entsorgen: Ein nicht unerheblicher Teil gelangt dennoch in die Umwelt und richtet dort Schaden an. 

  • 32 Prozent des weltweit existierenden Plastikmülls befinden sich in der Umwelt. 
  • Besonders im Sommer sind Wiesen und Parks gesäumt von Abfall, manchmal wird dieser auch einfach im Wald entsorgt. Die Folgen sind gravierend. 
  • Kleine Tiere verheddern sich im Plastikmüll. Wildtiere fressen den Müll, an dem sich noch Lebensmittelreste befinden. Vögel nutzen Plastikfolien für den Nestbau, was dazu führt, dass die Jungen bei starkem Regen in den Nestern ertrinken.  
  • Schätzungen zufolge befinden sich in den Weltmeeren zwischen 100 und 142 Millionen Tonnen Müll, jährlich kommen etwa 10 Millionen Tonnen dazu. 
  • Für das Leben im Wasser haben diese großen Mengen an Müll schwerwiegende Auswirkungen. Seevögel oder Fische verwechseln den Müll mit Nahrung und verhungern anschließend mit vollem Magen. Andere Tiere verheddern sich in Verpackungsmüll oder Plastiknetzen. 

Was können wir tun?
Die negativen Auswirkungen von Müll auf die Umwelt sind vielseitig und komplex. Klar ist jedoch, dass ein unverpacktes Leben und der Schutz der Umwelt unmittelbar miteinander zusammenhängen. Müll, der gar nicht erst produziert wird, kann in der Natur keinen Schaden anrichten. Die goldene Regel lautet also: Müll vermeiden, Umwelt schützen! 

Eine Frau steht mitten in einem grünen Wald, atmet tief ein und hat die Hände weit ausgebreitet.

In einer Umgebung voller Müll fühlen sich die wenigsten von uns wohl. Wenn Müll in der Umwelt landet, hat das negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Einige davon sind noch nicht ausreichend erforscht und uns somit nicht bewusst.

  • Wer verbringt im Sommer nicht gern Zeit im Freien? Wenn wir auf der Wiese oder im Park jedoch kaum einen Platz finden, der nicht mit Müll gepflastert ist, dann macht der Ausflug nur halb so viel Spaß. Die Welt als verdreckten Ort wahrzunehmen, kann einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. 
  • Menschen in anderen Teilen der Welt leiden noch sichtbarer unter dem weltweiten Müllproblem. In vielen Ländern fehlt es an Infrastruktur, um Müll zu trennen und zu recyceln. Als Folge wird er häufig verbrannt, wobei hochgiftige Stoffe freigesetzt werden. An manchen Orten führt Müll auch dazu, dass Zugänge zu sauberem Wasser verstopft werden oder Trinkwasser mit giftigen Stoffen belastet wird.   
  • Wenn sich ein Stück Plastik zersetzt, werden über einen langen Zeitraum kleinste Kunststoffteilchen (genannt Mikroplastik) abgerieben. Dieses gelangt auf unterschiedlichen Wegen in unseren Körper, vor Kurzem wurde erstmals Mikroplastik in menschlichem Blut nachgewiesen. Welche Folgen dies für unsere Gesundheit hat, wird noch erforscht. 

Was können wir tun?
Müll beeinflusst uns, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden auf direktem und indirektem Weg. Während Fragen nach den gesundheitlichen Auswirkungen von Mikroplastik noch weiter erforscht werden müssen, sind an anderen Orten die gesundheitlichen Auswirkungen von Müll auf den Menschen unübersehbar. Zum Wohle aller sollte also gelten: Müll vermeiden, gesünder leben! 

In einem kleinen Glasbehälter ist Geld und aus der Geld wächst eine kleine Pflanze.

Die Waschmaschine hat den Geist aufgegeben? Das Smartphone zeigt Alterserscheinungen? Anstehende Neuanschaffungen erfordern durch Recherche und Angebotsvergleiche nicht nur viel Zeit, sie belasten auch den Geldbeutel. Doch das muss nicht so sein. Wer sich selbst vor der Neuanschaffung von Dingen ein paar Fragen stellt, spart Geld und kann noch dazu viele nette Menschen kennenlernen. 

  • Smartphones und andere elektronischen Geräte werden ständig weiterentwickelt. Wer immer auf dem neuesten Stand sein möchte, muss also regelmäßig tief in die Tasche greifen. Bevor wir etwas neu kaufen, sollten wir uns fragen: Welche Anforderungen haben wir an Dinge, die wir uns anschaffen wollen und gibt es Möglichkeiten, sie zum Beispiel aus zweiter Hand zu kaufen? 
  • In Deutschland kauft jeder Mensch pro Jahr im Schnitt 60 Kleidungsstücke. Etwa 40 Prozent davon tragen wir kaum bis gar nicht. Sie werden irgendwann ungetragen aus dem eigenen Kleiderschrank gefischt. Und dann? Zum Beispiel auf Kleidertauschpartys findet sich für jedes Kleidungsstück ein neues Zuhause und obendrein finden wir vielleicht das Teil, was wir schon lang suchen! 
  • Tolle Secondhand- und Tauschtipps findet ihr bei unseren Tipps und Tricks für ein unverpackteres Leben! 

Was können wir tun?
Sich ständig neue Dinge anschaffen zu müssen, kostet nicht nur viel Geld. Wir sind auch niemals wirklich zufrieden, da wir ständig den Druck verspüren, von allem das Modernste besitzen zu müssen. Wenn wir uns davon befreien, erleichtert das unser Leben, schont unseren Geldbeutel und eröffnet uns viele neue Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.  

Wissenswertes rund um das Thema „unverpackt”

In der Mitte steht "Zero Waste" und darum sind in grün und blau verschiedene Icons, die Zero Waste und Nachhaltigkeit symbolisieren sollen, zum Beispiel ein Blatt, ein Fahrrad und ein Windrad.

Der Begriff Zero Waste” bedeutet übersetzt Null Müll” und beschreibt die Idee von einem Lebensstil, bei dem kein Müll entsteht, der entsorgt oder deponiert werden muss.  

  • Fünf Prinzipien spielen für den Zero-Waste-Lifestyle eine wichtige Rolle, die wir uns leicht als die 5 R’smerken könnt: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle und Rot. Viele der R’s findet ihr bei unseren Tipps und Tricks für ein unverpacktes Leben wieder. 
  • Ihr fragt euch, wo ihr beim Thema Müllreduzierung anfangen sollt und wie ihr Teil der Zero Waste-Bewegung werden könnt? Sowohl in Berlin als auch bundesweit gibt es Initiativen und Vereine, die uns dabei unterstützen, unverpackter zu leben. Dazu zählen Zero Waste e.V. und Zero Waste Germany e. V..
  • Im November 2019 hat der Berliner Senat die Entwicklung Berlins hin zu einer Zero Waste City beschlossen. An diesem Ziel sind viele Initiativen beteiligt, zum Beispiel das Projekt Berlins Weg zu „Zero Waste“ – Entwicklung einer Strategie zur Förderung von Abfallvermeidung in der Hauptstadt II. Hier findet ihr umfassendes Wissen und zahlreiche Ideen, wie alle Berliner*innen zu einem unverpackten Berlin beitragen können.  
  • Die Umweltaktivistin und Autorin Beá Johnson gilt als Mitbegründerin der Zero Waste-Bewegung. Der jährlich anfallende Müll ihrer vierköpfigen Familie passt in ein Einmachglas. Erfahrt hier mehr über ihre Geschichte. 
Das Bild ist gezeichnet und zeigt die Kreislaufwirtschaft und drei verschiedene Stationen (Produktion, Verkauf im Laden bzw. Nutzung, Entsorgung in den Abfallbehältern).

Die Kreislaufwirtschaft beschäftigt sich mit der Frage, wie Wirtschaft und Produktionsprozesse so gestaltet werden können, dass Abfälle als wertvolle Rohstoffe wiederverwendet werden können. Es sollen möglichst geschlossene Kreisläufe entstehen, die unsere natürlichen Ressourcen schonen und Müll schon bei der Entstehung vermeiden. 

Wie können wir das System der Kreislaufwirtschaft auf uns selbst anwenden? 

  • Die Kreislaufwirtschaft sieht eine lange Nutzung von Produkten und Ressourcen vor. Wir selbst können die Lebensdauer eines Produktes aktiv verlängern, indem wir Dinge, die wir besitzen, möglichst lange benutzen. Sollten sie dennoch kaputt gehen oder für uns keinen Nutzen mehr haben, sollten sie nicht einfach weggeworfen werden. Häufig gibt es in der Nähe Orte, an denen sie entweder repariert oder gespendet werden können. 
  • Vor allem in elektronischen Geräten befinden sich wertvolle Rohstoffe, deren Abbau bzw. Neugewinnung aus umwelt- und menschenrechtlichen Gründen problematisch ist. Wenn wir ein kaputtes Gerät in seine Einzelteile zerlegen anstatt es wegzuwerfen, können die enthaltenen Rohstoffe wiederverwertet werden. Wenn möglichst alle Teile von einem Gerät wiederverwendet werden können, sprechen wir von einem geschlossenen Kreislauf, bei dem kein Abfall mehr entsteht, der entsorgt werden muss. 
  • Bildungs- und Vernetzungsarbeit zum Thema Cradle to Cradle leistet C2C NGO. Auf ihrer Website findet ihr spannendes Wissen und Events und könnt euch über Innovationen in der Kreislaufwirtschaft auf dem Laufenden halten. Der BUND fasst das Thema Cradle to Cradle ebenfalls sehr gut und verständlich zusammen. 
Es sind vier verschiedene Müllbehälter zu sehen: Paper, Restmüll, Plastik und Biomüll. Eine Person packt eine Plastikflasche zum Plastikmüll.

Da sich nicht jeder Müll vermeiden lässt und es bis zu einer unverpackten Gesellschaft ein weiter Weg ist, ist natürlich auch weiterhin der richtige Umgang mit vorhandenem Müll wichtig. Wenn wir unsere Abfälle richtig entsorgen, übernehmen wir damit unseren Teil der Verantwortung dafür, dass sie möglichst ohne Umwege und umweltschonend recycelt oder entsorgt werden. 

Der Begriff Littering bezeichnet die Vermüllung öffentlicher Räume. Was diese für Folgen hat und wie wir gemeinsam verantwortungsvoll mit unserem Müll umgehen können, zeigen wir euch hier. 

  • Um das Thema Abfallentsorgung ranken sich zahlreiche Mythen: Wird getrennter Müll ohnehin wieder vermischt? Sollte man Joghurtbecher stapeln, bevor man sie entsorgt? Darf zerbrochenes Fensterglas in den Glascontainer? Die BSR hat für uns mit den wichtigsten Müllmythen aufgeräumt. 
  • Bei bestimmten Abfällen verzweifelt ihr regelmäßig an der Frage, in welche Tonne sie denn nun gehören? In eurer WG entbrennen regelmäßig Diskussionen darüber, ob der Kassenbon des letzten Einkaufs in die Papiertonne oder in den Hausmüll gehört? Oder ihr wollt in den Abfalltonnen eures Hauses für Ordnung sorgen und auch die anderen Mietparteien dabei unterstützen, den Müll richtig zu trennen? Hier gibt es in sieben Sprachen praktische Trenntabellen als Hilfestellung, die ihr einfach ausdrucken und in der Nähe der Tonnen anbringen könnt. 

Unverpackt leben
– Tipps und Tricks

Wir möchten Wege in eine verpackungsfreie Zukunft aufzeigen und haben eine Menge Tipps und Tricks gesammelt, mit denen ihr Schritt für Schritt ganz leicht unverpackter leben könnt. 

Zu den Tipps und Tricks

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